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Anforderungen an die Bunderepublik Deutschland: Jahrzehnte im Rückstand – kein Aufholen in Sicht

Schlechtes Anforderungsmanagement in der Digitalstrategie auf Bundesebene

Die Politik ist der Meinung, dass das in der Digitalstrategie fehlende Requirements Engineerung auf Bundesebene verantwortlich wäre für die schwache digitale Innovationskraft Deutschlands. Ohne Frage, dass Anforderungsmanagement/Requirements Engineering ist ein wichtiger Teil der Digitalisierung. Anforderungsmanagement ist sowohl in der Mikro- als auch der Makroökonomie essentiell. Aber das Requirements Engineering benötigt auch Rahmenbedingungen und Anreize und ist eben auch nur EIN Teil der Digitalstrategie auf Bundesebene.

Die selbsternannten Digital-Spezialisten und -Optimisten

Deutschland wird das neue Silicon Valley – so jedenfalls lauten die Slogans während meines Besuchs beim Digital-Innovation-Gipfel im Bundestag in Berlin letzte Woche oder auch das Credo des neuen Cyber Valleys in Tübingen bei Stuttgart, das offensichtlich ganz vergessen hat, den innovativen Mittelstand zu integrieren.

Silicon Tourismus – die Redner und der Wirtschaftspopulist

Beinahe alle Redner wurden als „Silicon Valley Spezialisten“ vorgestellt. Ungeachtet ob Politiker, Vorstand oder Cxx eines mehr oder weniger namhaften Unternehmens, – sie alle wussten wie der Hase im Silicon Valley läuft. Erstaunlich, wie Politikwissenschaftler, Juristen oder Volkswirte innerhalb von 4 Wochen zu Technologieexperten werden konnten. Während einige Vorträge Zeugnis dafür waren, dass die Referenten wohl lediglich mit den Pressesprechern der Silicon Valley Unternehmen gesprochen hatten, fuhren andere anscheinend nur mit dem Wohnmobil an den Firmenschildern von Microsoft, Google, Amazon oder Apple vorbei.

Nun denn, jeder Referent hatte eine eigene Vorstellung davon, wie in Deutschland ein „Silicon Valley“ aufgebaut werden könnte. Die meisten Vorträge waren Motivationsreden, gut gemeinte Worthülsen gefüllt mit bunten Bildern. Doch um die verzahnten Strukturen eines Unternehmens kennenzulernen, ist eine Betrachtung von innen erforderlich; am besten als Mitarbeiter. Diesen Beleg konnte freilich kein Referent erbringen.

Innovations- und Produktentwicklungsprozesse inkl. der Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Tops und Flops, Technologiebereitstellung, Projektmanagementprozesse, Mitarbeiterführung/-management/-entwicklung/-Entlohnung/-beteiligungen, intelligente Erkennung privater Mitarbeiterbedürfnisse und deren Integration in den Berufsalltag, Wissenstransfer, Wettbewerbsbeobachtung, Marketing, Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche, etc. sind komplexe historisch gewachsene Zusammenhänge, die sich von Aussenstehenden nicht in kurzer Zeit erschließen lassen. Das Kennenlernen einer fremdländischen gesellschaftlichen Kultur gelingt schließlich auch nicht, wenn man dort 2 Wochen Pauschalurlaub in einer Clubanlage hinter sich gebracht hat.

So fehlte allen Rednern die essentielle operative Ebene wirtschaftlichen praktischen Handelns im Zeitalter der digitalen Transformation. Für mich wurde schnell ersichtlich, dass die Thesen der Politiker zu keinem Silicon Valley in Deutschland führen würden. So war das allgemeine Credo

„Deutschland oder Europa muss einen Ort etablieren, der dem Silicon Valley ähnelt“

Im Gegensatz zu den anderen Referenten, deren Vorträge inhaltlich kaum voneinander abwichen, gab ein Referent wenigstens eine an diesem Tag neue These von sich:

„die Imitation eines Wirtschaftszweiges oder eines Wirtschaftssystems wie die des Silicon Valley’s liegt nicht in der Kultur und Tradition von Europa oder Deutschland“

Diese Aussage beruhigte natürlich die Gemüter des Publikums. Schauen wir Europäer doch gerne zwischendrin auf das scheinbar traditions- und kulturlose Nordamerika herab.

Die nordamerikanische Glückseligkeitslehre

„das größte Glück der größten Zahl

war und ist ungemein praktisch und lässt sich einfach auf das schlichte Programm des englischen Utilitarismus „life, liberty and the pursuit of happiness“ anwenden.

Die germanische Seele jedoch hat stets das Bedürfnis nach einer Philosophie oder Metaphysik und verlangt somit das Gegenteil des „primum vivere, deinde philosophari„:

„ohne Philosophie weiß die Seele nicht zu leben“

Diese philosophische Kultur und Lebensart, eingebettet in einen trägen Föderalismus, führt uns derzeit ökonomische Grenzen vor Augen. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist die europäische Art des Fortschrittsdenkens, das zeitintensive philosophische Abwägen über den Sinn gesellschafts-beeinflussender disruptiver Innovationen und die Schaffung von politischen und juristischen Rahmenbedingungen zur Einführung dieser, im Nachteil gegenüber der angelsächsischen oder chinesischen Innovationskultur.

Wer in Sachen Wirtschaft an Europa denkt, dem fallen schnell Begriffe wie Technologieskepsis, Entscheidungsmüdigkeit, Angst oder falscher Umgang mit Lobbyismus ein. Die Auswirkungen sind all gegenwärtig, – in Politik, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Referent führte weiter aus:

„Gerade weil das Silicon Valley im Angelsächsischen so wunderbar funktioniere, sei ein Nacheifern sinnlos. Viel eher solle sich Europa und somit auch Deutschland auf die Schwächen des Silicon Valley’s konzentrieren. Die Schwächen des Silicon Valley’s lägen im Datenschutz. In diesem Bereich könne Europa und Deutschland punkten, und zwar nicht nur in den Bereichen Social Media, sondern auch in der M2M-Kommunikation (Maschine-zu-Maschine-Kommunikation).“

Telekom-Vorstand Reinhard Clemens schlug in dieselbe Kerbe, auch er sah ein wichtiges Geschäftsmodell im Datenschutz.

Der Referent sieht in der Identifikation und dem Kopieren der Stärken des Silicon Valley’s keine Lösung, sondern vielmehr in der Identifikation der Schwächen und Umwandlung dieser – für mich ist diese Unterscheidung zu marginal, denn die Schwächenanalyse des Wettbewerbs war schon immer Teil der Innovationsentwicklung; darüber hinaus solle Europa eine Weltmacht im Datenschutz werden (als Beispiel für das IT-Wirtschaftswunder führte er den Schweizer Hersteller des Secure-Messengers „Threema“ auf).

Grenzenlos naive deutsche Wirtschaft

Diese Naivität und Praxisfremdheit kann kaum Überboten werden. Seit den 90er Jahren versuchte Microsoft immer wieder vergebens, mit dem Thema Datenschutz Geld und Marktanteile zu gewinnen (technisch, funktional als auch prozessual). Selbst die Snowden-Enthüllungen führten nicht zu einem signifikanten Datenschutz-Wirtschaftswachstum in Europa. Es gab in der Vergangenheit bereits vor Snowden zahlreiche schwerwiegende Datenschutzverfehlungen in Deutschland, doch weder führten diese Skandale zu einem boomenden IT-Sicherheits-Wirtschaftszweig noch zu einer Erhöhung der Datenschutzsensibilität in der Bevölkerung. Natürlich erlebten die Hersteller von Konsumenten-Sicherheitsapplikationen wie Threema oder Posteo einen Zulauf innerhalb der Konsumenten-Phalanx, doch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Industrie waren kaum messbar.

Die Industrie reagierte erst durch die Aberkennung des Safe Harbour-Abkommens zwischen Europa und den USA durch die EU. Dass dem Telekom-Vorstand Reinhard Clemens dies in die Hände spielte und er deshalb Werbung für Datenschutz macht, ist leicht nachvollziehbar, – schließlich profitiert er wegen Safe Harbour durch die Vermietung von Telekom-Rechenzentrenkapazitäten an Microsoft. Die vergangenen Abhörskandale im Telekomkonzern scheinen dabei längst vergessen.

Datenschutz ist wichtig und widerspricht prinzipiell dem Geschäftsmodell von Amazon & Co., alles über jeden wissen zu wollen. Jedoch wird dieses in der breiten öffentlichen Wahrnehmung wenig populäre Thema weder Europa noch Deutschland zur IT- oder Digitalisierungs-Großmacht verhelfen. An die Snowden-Enthüllungen, Aldi-Mitarbeiterüberwachungen, Bundestrojaner, den Gesetzesvorstoß während eines großen Fußballereignisses hinsichtlich dem avisierten Verkauf von Einwohnermeldedaten durch kommunale Einrichtungen, Lauschangriff- oder Vorratsdatenspeicherungs-Gesetzgebungen denken mittlerweile bedauerlicherweise nur noch Wenige.

Der vom Referenten als Musterunternehmen aufgeführte Secure-Messenger-Hersteller „Threema“ ist ein gutes, wenngleich aus wirtschaftlicher Perspektive kein relevantes, Beispiel: Nachdem Facebook herausgefunden hatte, dass in Europa ggf. mit Datenschutz signifikante Marktanteile erobert werden können, führte das Unternehmen eine Verschlüsselung bei dem Messenger-Dienst „WhatsApp“ ein. Die Marketingmacht dieses Unternehmens wurde spätestens um 20 Uhr des selben Tages offensichtlich, als dieses neue Feature sogar in der Tagesschau erwähnt wurde. „Threemas“ Wachstum wurde dadurch Übrigens ausgebremst (ob Threema tatsächlich sicher ist, bleibt übrigens fraglich – Tatsache ist, dass der Hersteller im Gegensatz zu PGP oder TrueCrypt bzw. VeraCrypt seine Verschlüsselungsalgorithmen nicht veröffentlicht und die Sicherheit der Algorithmen somit unbekannt bleiben).

Darüber hinaus stehen dem Datenschutz stets die staatlich verordneten Hintertüren für den Zugriff der Exekutive im Wege, für die es auch in Europa starke politische Befürworter gibt.

Ein Blick, sowohl auf die Stärken als auch auf die Schwächen des Silicon Valley kann nicht schaden. Dass das einfache Kopieren der Stärken und das Umkehren der Schwächen des Silicon Valley’s nicht ausreichend sein wird um eine digitale Marktmacht zu werden, sollte jedem bewusst sein. Wenn wir mit Blick auf das Silicon Valley jedoch unseren eigenen Schwächen bewusst werden um Änderungen herbeizuführen, ist im ersten Schritt viel gewonnen.

Die Unternehmen in Deutschland werden mittelfristig keine Chance mehr haben, die Schnittstellen der Konsumenten zurückzuerobern. Sie werden weiterhin Milliarden Euro Marketingkosten an die Unternehmen im Silicon Valley zahlen, damit die Reklame die Konsumenten erreicht. Die Unternehmen im Silicon Valley werden dieses Geld dankbar annehmen, um einen Geschäftsbereich nach dem anderen zu erobern. Neue Standards in der M2M-Kommunikation innerhalb von Industrie 4.0 in die Welt zu tragen, wird die letzte große Chance für Deutschlands Unternehmen sein.

Das wirkliche Bewusstsein über die Macht und die Stärken der Unternehmen im Silicon Valley muss sich in anderen Ländern noch entwickeln

Es sollte derweil bekannt sein, dass die multinationalen Software-Konzerne über ausreichend Ressourcen verfügen, um

  • ihrer eigenen offensichtlichen scheinbaren Schwächen (z.B. der Datenschutz) selbst bewusst zu sein bzw. zu werden
  • Produktverbesserungen, die in Europa als Marktnische betrachtet werden, selbst durchführen zu können und um diese Nischen zu schließen; durch SEO, SEM und Social Media Marketing bekommt das Silicon Valley frühzeitig Kenntnis über die Nischenlösungen und deren mögliches Potential (Klicks, Follower, Likes, etc.)
  • Präzisions-Marketing zu betreiben, dass Stimmungen und Meinungen in ganzen Ländern oder bei bestimmten Zielgruppen beeinflusst werden können
  • Dienste und Services für einzelne Länder ein- oder auszuschalten und somit die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes steuern zu können
  • Negativ-Presse durch ausgeklügelte Online-Marketingstrategien im Internet zu unterdrücken

Wo hat die aktuelle Marktsituation ihren Ursprung?

Die Regierungseinrichtungen in den USA haben stets dafür gesorgt, dass US-amerikanische IT-Produkte in den Behörden und behörden-affinen Einrichtungen Einzug halten. Die deutschen Regierungen sind dem gefolgt und haben ebenfalls amerikanische IT-Produkte beschafft.

In Kalifornien ist das mächtige US-Militär ansässig, dass Milliarden an staatlichen Technologie-Investitionen in das Silicon Valley pumpt.

Die Anzahl an sehr gut ausgebildeten jungen Menschen, insbesondere auch an kreativ denkenden Menschen die im intellektuellen religionskriegsfreien Kulturmix gemeinsam an einem Ziel arbeiten, ist aktuell weltweit unvergleichbar. Deutschland ist in den Bereichen Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften ein Auswanderungsland.

Darüber hinaus lockt Kalifornien mit einem hoch attraktiven Freizeitangebot und beständiger schöner Witterung in Meeresnähe.

Die gesetzliche und steuerliche Einfachheit für Start-Up-Unternehmen gepaart mit vielfältigen staatlichen leicht erreichbaren Fördermöglichkeiten (und zahlreichen Privat- Investoren) führen beinahe spielerisch an das Unternehmertum heran.

Wo sind derartige Rahmenbedingungen in Deutschland oder auch Europa zu finden?

Jeder halbwegs aufmerksame Mensch, der die Entstehungsgeschichte der großen, in den 90er Jahren gegründeten IT-Unternehmen verfolgt hat, wird immer einen nicht-dokumentierten Zeitraum entdecken. Die Dokumentationen beschreiben stets eine Handvoll Studenten oder Uni-Absolventen, die im Jahr 19xx das Unternehmen gründeten und exzessiv arbeiteten. Die Dokumentationen gehen zumeist wie folgt weiter:

„Nach nur 4 Jahren waren es 50 Mitarbeiter und das Unternehmen schrieb schwarze Zahlen. Heute hat ist das Unternehmen ein Weltkonzern mit xxx tausend Mitarbeitern und Milliarden US$ Umsätzen“.

Was jedoch in den 4 Jahren, in dem Zeitraum zwischen „einer Handvoll Studenten und 50 Mitarbeitern“ geschehen ist, bleibt unerwähnt. Der Grund ist simple. Das Unternehmen arbeitete in den vier Jahren nicht lukrativ und hat permanent Finanzspritzen erhalten und wurde darüber hinaus in entsprechende Business-Netzwerke etabliert.

Jeder, der bereits erfolgreich ein Unternehmen gegründet hat weiß, wie schwer die ersten Jahre des Unternehmertums sind und wie schwer der Unternehmensaufbau bis zu einer Mitarbeiteranzahl von 50 ist. In Deutschland schließen 80% der gegründeten Unternehmen innerhalb von 30 Monaten, – 60% davon mit einer Insolvenz. Von den restlichen 20% schaffen nur 1% eine Mitarbeiteranzahl von 50 oder mehr Mitarbeitern.

Die Risikobereitschaft deutscher Investoren, staatlicher Einrichtungen und deutscher Banken sowie die Absicherung der Gründer ist ebenso katastrophal, wie die formalen Hürden.

Ein Blick auf die deutsche Industrie und deren eCommerce-Innovationen

Wie viele deutsche Hersteller von Betriebssystemen gibt es und wie weit sind diese Betriebssysteme verbreitet? Welche deutschen Hardwarehersteller sind international von Bedeutung?

Seit dem Verkauf des Siemens Mobilgeräte-Geschäftsbereichs (Siemens Mobile) an das taiwanesische Unternehmen BenQ spielt Deutschland im Smartphone Consumer Markt keine Rolle mehr. Dabei war 1997 das Siemens S10 Handy noch das erste Mobiltelefon mit Farbdisplay. Aktuell steht das Robotik-Vorzeigeunternehmen Kuka kurz vor dem Verkauf an einen chinesischen Konzern. So ein Unternehmensverkauf wäre in anderen Ländern, z.B. China juristisch gar nicht möglich. Auch die US Regierungen intervenieren häufig, falls Gefahr für die Abwanderung wichtiger amerikanischer Technologiehersteller droht. Das von der Politik seit den 90er Jahren verfolgte Prinzip der Liberalisierung erweist sich heute als der falsche Weg.

Der letzten europäischen Hochburg, der Maschinen- und Automobilbau, droht nun ebenfalls Gefahr.

Dem Maschinenbau droht die Gefahr durch die Verbreitung von 3D-Druckern, die zukünftig zunehmend auch stabile Rohstoffe drucken können. Günstige Ingenieurdienstleister aus Indien fertigen die technischen Zeichnungen an, speichern diese im jeweiligen 3D-Drucker-Format ab und senden die Datei direkt zum 3D-Drucker des Endkunden (ungeachtet ob in B2B oder B2C Geschäftsfelder). Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt innerhalb der Logistik- und Transportbranche sollen hier nicht weiter aufgeführt werden.

Die deutsche Ingenieurskunst in der Automobilbranche liegt insbesondere in der Motorentechnologie als auch generell im mechanischen Komponentenbau. Ein Elektromotor für ein eAuto ist deutlich einfacher herzustellen als ein Verbrennungsmotor mit seinen komplexen thermodynamischen Prozessen (z.B. Otto-Prozesse, Kreisprozesse (Carnot-Prozess) oder Seiligerprozesse). Beim Elektroauto zählen insbesondere Reichweiten (Akku-Qualität) und elektronische Features (deutsche Unternehmen haben sich aus der Akku-Herstellung weithin zurückgezogen). Die deutschen Autobauer könnten zukünftig zum reinen Fahrgestell-Lieferanten degradiert werden. Ausgerechnet in der neuen Königsdisziplin, dem autonomen (selbstfahrenden) Auto, bekommen die deutschen Automobilhersteller Konkurrenz von einem Unternehmen im Silicon Valley namens Google. Es dauerte lange Zeit bis die Industrie in Europa bemerkte, dass Google keine Marketing Agentur ist, sondern ein Unternehmen, dass andere Unternehmen systematisch von der Schnittstelle zum Endkunden verdrängt. Die europäische Industrie gab und gibt Unsummen für Google Adwords aus; Google verwendet das Geld um in neue Geschäftsbereiche, die häufig im Wettbewerb zu ihren eigenen Kunden stehen, aufzubauen und zu erobern. Die Frage, die uns allen auf der Seele brennt, lautet: Ist die Marketing-Macht von Google bereits zu groß, um aus diesem unglücklichen Kreislauf zu entkommen? Meines Erachtens nach gibt es Möglichkeiten für eine größere Selbstbestimmung im Marketing für Unternehmen innerhalb der B2C-Phalanx. Diese sind jedoch anstrengend und erfordern ein kundenzentriertes und weniger ein produktorientiertes Denken und Handeln sowie ausgefeilte strategische und taktische branchenübergreifende Kooperationen.

Was macht den Vorsprung der Unternehmen im Silicon Valley aus?

Es sind zwei Bereiche, die von Microsoft, Apple, Facebook, Google und Amazon dominiert werden. Zum einen die bereits erwähnte Dominanz bei der Verbreitung der Schnittstellen zu Konsumenten (Desktop-PC’s, Laptops, Smartphones, Wearables, etc.) und zum anderen das darauf zurückzuführende überlegene Daten-Know-how; in der Erzeugung, Erfassung, Speicherung, Suche, Verteilung, Analyse und Visualisierung von Massendaten aus unterschiedlichen Datenquellen sind die angelsächsischen Unternehmen allen anderen Unternehmen Jahre voraus. Die Dominanz im Big Data-Segment, dazu zählen auch künstliche neuronale Netze (KNNs) die hinter Cortana, Siri, Google Now und vielen anderen Social Bots arbeiten, ist heutzutage der wesentliche Vorteil schlechthin.

Fiktives Beispiel für die automatisierte dynamische Expansion des Silicon Valley’s:

Ein Pharmaunternehmen forscht 15 Jahre an einem neuen Arzneimittel. Dabei entstehen Unmengen an Daten, die analysiert, abstrahiert und miteinander ins Verhältnis gebracht werden. Selbst wenn das Pharmaunternehmen über die Mitarbeiter mit den erforderlichen mathematischen und stochastischen Fähigkeiten verfügen würde, fehlt dem Unternehmen die (Big Data-)Technologie für die diffizilen Analysen aller Daten in akzeptablen Zeiträumen.

Die Folge: Das Pharmaunternehmen nimmt Kontakt mit Unternehmen auf, die diese ungeheuren Datenmengen beherrschen und über Wege für komplexe Mustererkennungen verfügen (z.B. via KNN). Auf der Suche nach dem passenden Dienstleister landet das Pharmaunternehmen unweigerlich immer wieder bei einem Dienstleister, nennen wir ihn „Facebook-BigData Cloud Inc.“, im Silicon Valley (obgleich vielleicht auch ein anderer Dienstleister, z.B. Baidu, existieren und dafür in Frage kommen könnte, würde dieser Dienstleister im Internet nicht gefunden werden, denn die Suchmaschinenbetreiber sind ebenfalls im Silicon Valley ansässig und können die Suchmaschinen-ergebnisse steuern). Das Unternehmen Facebook-BigData Cloud Inc. im Silicon Valley führt nun also die Analysen für das Pharmaunternehmen durch und lernt dabei viel über die Pharma-Forschungen. Nach dem 5. oder 6. ähnlich gelagerten Analyse-Auftrag verschiedener Pharmaunternehmen besitzt Facebook-BigData Cloud Inc. über ausreichend Wissen, um selbst in der Pharmabranche einzusteigen und zu forschen; schnell ist das neue Unternehmen, nennen wir es „Facebook Pharma“ gegründet. Facebook-BigData Cloud Inc. stellt natürlich seine Big Data- und KNN-Services dem Tochterunternehmen Facebook Pharma gerne zur Verfügung (entgeltlich bestens unternehmenssteuer-optimiert). Dadurch kann Facebook Pharma die Forschungen und Analysen stärker automatisieren als es die klassischen traditionellen Pharmaunternehmen tun könnten und mutiert schnell zum ernstzunehmenden Pharmaunternehmen und Wettbewerber. Die traditionellen Pharmaunternehmen können die Geschäftsverbindungen zum Mutterkonzern, nennen wir ihn „Facebook Inc.“, jedoch nicht lösen, weil die Abhängigkeit vom Facebook-Werbekanal zu groß ist. Dem Mutterkonzern Facebook ist dies bewusst und erhöht sukzessive die Preise für die Werbung. Die Werbeeinnahmen werden Facebook Pharma Inc. solange zur Verfügung gestellt, bis das Unternehmen die gewünschten Gewinne und Marktanteile erzielt.

Gemäß der im Beispiel beschriebenen Vorgehensweise wird ein Geschäftsfeld nach dem anderen angegriffen.

Natürlich würden die Suchmaschinenanbieter bestreiten, dass andere bestimmte Unternehmen bei den Suchergebnissanzeigen bevorzugt werden. Ebenfalls würden die IT-Analysedienstleister wie z.B. Amazon Cloud Computing oder Microsofts Azure-Cloud bestreiten, dass Daten von Unternehmenskunden für Eigenzwecke verwendet werden würden – doch wer soll das noch glauben? Die Suchmaschinenhersteller veröffentlichen ihre Algorithmen nicht und die Big Data Analytics Dienstleister bieten zwar alle Datentransportverschlüsselungen über SSL und verschlüsselte Speicherung der Daten auf den Servern an, doch im Augenblick des Datenzugriffs werden die Daten entschlüsselt, obgleich es bereits Verfahren geben würde, um die Daten im verschlüsselten Zustand bearbeiten zu können (z.B. homomorphe Verschlüsselung).

Die Unternehmensphilosophien der Big Player lesen sich wunderbar, doch die Realität zeigt einen disparaten despektierlichen Umgang mit Privat- und Unternehmenskunden (beispielhaft: Google Unternehmensphilosophie ).

Was ist an der starken dominierenden Verbreitung von Microsoft, Apple, Amazon und Google auszusetzen?

Noch vor wenigen Jahren gab es für zahlreiche Geräte unterschiedliche Betriebssysteme und Anwendungen. Im Consumer-Umfeld waren dies die Hersteller Nokia, Siemens Apple, Windows, Palm, Commodore, DOS oder Atari – um nur einige zu nennen. In Unternehmen etablierten sich ebenfalls differenzierte Betriebssysteme oft nebeneinander (HP-Unix, Siemens-Unix, IBM, BSD, Sun, Windows, etc.). Im Auto kamen wiederum andere Betriebssysteme und andere Hardwarekomponenten zum Einsatz (z.B. Bussysteme wie CAN, iCAN), ebenso in Waschmaschinen oder im Verstärker der Stereoanlage (z.B. MOST-Bus-Systeme).

Heutzutage arbeiten schon sehr viele Geräte mit Betriebssystemen von Microsoft, Apple oder Google. Und täglich fällt irgendwo auf der Welt eine neue Bastion, – der Hersteller eines Produkts beendet die teurere Entwicklung des eigenen Betriebssystems und implementiert ein Betriebssystem von Microsoft, Apple oder Google. Diese Art von Monopolismus wäre vor 25 Jahren zwar sehr bedenklich gewesen, aber noch nicht so gefährlich wie heute; die IT umgab uns in den 80er und 90er Jahren noch nicht in so zahlreichen Lebensbereichen wie heute. Trotzdem wurde ca. vor 30 Jahren IBM von der US Regierung in einem einzigartigen Gerichts- und Politik-Prozess zerschlagen, um die Expansion des Unternehmens zu entschleunigen. Die Gefahr des Monopolismus ist heute, im 21. Jahrhundert noch um ein vielfaches gefährlicher.

Es bleibt anzunehmen, dass Microsoft & Co. irgendwann ausreichend Daten in einem bestimmten Lebensbereich gesammelt haben und die Systemintelligenz Ihrer künstlichen neuronalen Netzwerke oder Quantenrechner (der eigentliche Grund des Datensammelns und dafür das wir Apps und andere Produkte „kostenfrei“ nutzen dürfen) durch mehr Daten nicht mehr gesteigert werden kann. Dadurch, dass ein System stark in unserem Alltag etabliert und integriert wurde, kann es nicht mehr einfach entfernt werden – weder faktisch (funktional und technisch) noch psychologisch (emotional, Bedienung, User Experience, etc.). Wenn das System darüber hinaus noch deutlich besser ist als alternative Nischenprodukte, wird es schwierig. Die Vorstellung, dass Google irgendwann pro 1000 eingegebenen Suchbegriffen 1 Euro von den Benutzern ihrer Suchmaschine verlangen könnte, ist nicht sonderlich abwegig. Oder führen wir uns den Streit zwischen Frankreich und Google vor Augen (Quellenbeispiel: Stuttgarter Zeitung – Frankreich gegen Google). Vereinfacht formuliert: Frankreich wollte, dass Google die Gesetze (Datenschutz, Steuern, etc.) beachtet. Es kam zum Eklat und Google drohte mit der Abschaltung der Suchmaschine in Frankreich. Der französische Staat befürchtete Wettbewerbsnachteile für die nationale Wirtschaft ohne die Google-Suchmaschine und gab klein bei (das Problem wurde von Frankreich nun in das EU-Parlament verlagert).

Alle Produkte und Services werden weltweit immer IT-lastiger und mobiler, und das nicht bloß in B2C-Geschäftsfeldern. Zahlreiche Anlagensteuerungen von Werkzeugmaschinen werden aktuell im Rahmen von Industrie 4.0 untereinander sowie mit dem Endprodukt (und somit dem Endkunden) und sämtlichen beteiligten Lieferanten und Partnern als auch den Backoffice-Systemen vernetzt. Je mehr Schnittstellen zu den etablierten Systemen von Unternehmen im Silicon Valley (oder auch SAP) entwickelt werden müssten, desto weniger lohnen sich die Eigenentwicklungen von Betriebssystemen; die Entscheidung für die Einführung von Standardbetriebssystemen wie Windows 10 embedded oder Android, die diese Schnittstellen bereits integrieren und dessen Hersteller die Ressourcenstärke für permanente Updates mitbringen, fällt in den Vorstandsetagen immer häufiger.

Letztes Jahr knickte der Automobilkonzern Fiat ein und entschied sich für Android als Car-Entertainment-Betriebssystem. In der Reisebranche begann Peakwork eine Zusammenarbeit mit Google, der Autohersteller Daimler arbeitet mit Microsoft’s Produkt Holo-Lens gerade Maschinenarbeiter in einem Bruchteil der Zeit in die Maschinenbedienung ein, die Lufthansa baut Standardschnittstellen in das Flight Management System für die Mehrkanalvermarktung ihrer Flüge ein und begann mit der Schnittstelle zu Google.

Anmerkung:

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen Unternehmen mit den Unternehmen aus dem Silicon Valley, z.B. Google, scheint immer nach dem gleichen Muster abzuleiten. Zuerst lehnen ganze Branchen die Zusammenarbeit mit Google & Co. solange ab, bis ein Unternehmen (manchmal das wirtschaftlich schwächste) innerhalb einer Branche dieses stillschweigende Branchenabkommen bricht. Danach bekommen alle anderen Unternehmen innerhalb dieser Branche Angst vor Wettbewerbsnachteilen und nehmen Kontakt zu Amazon, Google und Co. auf. Die deutschen Niederlassungen von Google und Co., zumeist handelt es sich dabei lediglich um Vertriebsniederlassungen mit äusserst geringen Einflüssen auf strategische Entscheidungen der Headquarter in Kalifornien, benötigen daher lediglich einen Vertriebserfolg pro Branche, um eine gesamte Branche akquirieren zu können. Das zeigte sich bereits vor vielen Jahren, als das Reiseunternehmen Unister als eines der ersten Unternehmen in seiner Branche begann, sich intensiv mit SEO und SEM auseinanderzusetzen. Alle anderen Unternehmen folgten. Ähnlich gelagert ist auch die Situation in der Reise-GDS- und (dynamischen) Reise-Paketierungswelt. Sobald ein Unternehmen beginnt, Schnittstellen zu Google und Co. zu bauen, bricht der Branchenwiderstand hinsichtlich der Verweigerung einer Zusammenarbeit mit großen „IT-„Konzernen im Silicon Valley zusammen.

Schnelle Digitalisierung und Integration von IoT für börsenrelevante Erfolgsmeldungen sind wichtiger als die Abhängigkeiten, die bei vollem Bewusstsein und Risiko eingegangen werden und sich auf die Gesellschaft auswirken.

Die aktuelle Diskussion darüber, ob eine Konzernführung derartige schwerwiegende Entscheidungen mit wirtschaftlichen und soziologischen Konsequenzen für ganze Länder zukünftig noch alleine treffen sollte, soll hier nicht weiter vertieft werden.

Tragisch erscheint mir jedoch die fehlende Weitsicht deutscher Unternehmenslenker hinsichtlich der Einschätzung der Auswirkungen einer Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, deren Expansionsstreben weit weniger philosophischen, politischen, ethischen und wirtschaftlichen Grenzen unterlegen sind.

Der mangelnde Mut und die ausbleibende Kreativität sollten nicht zum Vorbild in Europa werden.

Zurück zu unserem Referenten…

Die Aussage des Referenten

„Die deutsche und europäische Industrie solle sich auf die Schwächen im Silicon Valley konzentrieren (z.B. Datenschutz)“

bedeutet im Umkehrschluss, dass wir die großen Unternehmen im Silicon Valley nicht in ihrer Kernkompetenz angreifen sollten. Das ist als höchst brisant und beinahe schon verantwortungslos einzustufen.

Ein Geschäftsmodell auf der Basis von Lücken und Schwächen anderer ressourcenstarker Unternehmen zu bauen kann nicht der mittel- und langfristige Weg sein; zum einen, weil der Weg riskant ist (die Konzerne schließen die Lücken selbst) und zum anderen würde es bedeuten, dass die Konzerne im Silicon Valley ungestört ihre Monopolstellung ausbauen könnten. Aus wirtschaftlicher und „sportlicher“ Perspektive keine gute Idee für die Erhaltung der Arbeitsplatzsituation.

Die beste Wahl ist, die Unternehmen gerade in ihrer Kernkompetenz „Daten-Know-how“ anzugreifen. Diese Daten-Kernkompetenz ist ein Universalschlüssel, mit dem sich zahlreiche und vielfältige Geschäftsfelder aufschließen bzw. erschließen lassen.

Reinhold Achatz, der Forschungschef von ThyssenKrupp, sieht die Vorteile der Unternehmen im Silicon Valley im

„Erdenken neuer Geschäftsmodelle und in der Softwaretechnologie“

Das Erdenken neuer Geschäftsmodelle ist ursprünglich eher in Europa angesiedelt als den USA. Das beweisen die vielen Forschungsergebnisse, Nobelpreise und Patente von Europäern, – zugegeben oftmals unter der Flagge amerikanischer Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Hier wären wir wieder bei dem Thema der Attraktivität des europäischen Arbeitsmarkts und der Eindämmung des Fachkräfte-Wegzugs. Wenn Herr Achatz seine Aussage hinsichtlich des Erdenkens neuer Geschäftsmodelle auf die Softwaretechnologie bezieht, so hat er größtenteils recht. Aber dem Markt von morgen wird die Softwaretechnologie nicht mehr genügen. Der zukünftige Markt gehört der Etablierung integrierter Lösungen, – bestehend aus Services, Software und intelligenter Hardware aus völlig neuen (intelligenten) Werkstoffen. ThyssenKrupp sollte sich den Herausforderungen im F&E-Bereich stellen und neuen formveränderbaren Metall-Keramik-Carbon-Verbindungen auf nano-technologischer Basis auf den Grund gehen anstelle neidisch über den Teich zu blicken.

Nicht nur Herr Achatz sollte sich die Frage stellen, warum Deutschland noch immer unter den Top6-Wirtschaftsnationen ist, – trotzdem dass die Unternehmen im Silicon Valley zahlreiche über das Internet ausgetauschte Ideen, Softwareprogramme und Wissensquellen abgreifen und die NSA die ausspionierten Forschungsergebnisse an die amerikanische Wirtschaft weitergibt.

Vielleicht könnte einer (von vielen) Schritten darin bestehen, frisch gekündigte top-ausgebildete und erfahrende Menschen aus dem Silicon Valley nach Europa zu bringen, – um den großen Rückstand wenigstens ein wenig zu schmälern. Das Silicon Valley hat aktuell nämlich eine Arbeitslosenquote von ca. 8,5%. Die Innovationsgenerierung, die schöpferische Zerstörung des Alten durch das Neue, macht auch vor ausgezeichnetem Personal nicht halt (Arbeitslosigkeit im Silicon Valley).

Sollte die Mehrheit der Entscheider in Europa trotz gut ausgebildeter Menschen und ausgezeichneten Schulen/ Hochschulen an unzureichendem Mut erkrankt sein um dem Silicon Valley die Stirn zu bieten, bleiben vielleicht ein paar Alternativen.

Die Bemühungen um gute Lösungskonzepte, um der Arbeitswelt von Morgen innovativ zu begegnen, lassen immer noch auf sich warten. Das Wahlmotto der FDP im Wahlkampf 2017

„Digital first. Bedenken second“

ist zu dämlich um sinnvoll zu sein. Immer mehr Menschen sind arbeitslos oder trotz Beschäftigung am Existenzminimum – zurzeit ca. 1 Milliarde weltweit. Vielleicht kann Europa noch das „Sozialstaat-Valley“ werden, in dem tatsächlich Antworten auf das Zukunftsprinzip „Arbeit“ gefunden und realisiert werden , – immerhin hat die Schweiz über die Vergabe des bedingungslosen Grundeinkommens zum Leid der Befürworter abgestimmt. Die Vorreiterrolle als Green Energy-Land jedenfalls ist mittlerweile verloren.

Wenn wir Anforderungsmanagement auf Bundesebene betreiben, sollten wir es ganzheitlich tun und wirklich makroökonomisch denken und handeln.