Marketing-Automation und Künstliche Intelligenz mit IBM Watson nicht möglich

Fragen und Antworten zu IBM Watson im Bereich Marketingautomation

Frage 1) – Generelle Zweifel an der Leistungsfähigkeit von IBM Watson

Es mehren sich die Zweifel an Watsons Leistungsfähigkeit. Projekt-Insider verschiedener Unternehmen berichten von hohen Kosten und wenig Nutzen. Vorbehalte gibt es auch mit Blick auf die Sicherheit der Daten – Stichwort Cloud. Ist das IBM-Watson-Projekt im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Marketing-Abteilungen der Fortune-2000-Unternehmen gescheitert bevor sie richtig begonnen hat?

Antwort:

Watson ist eine High-Performance-Applikation, die den Unternehmen bei der Erledigung ihrer Alltagsgeschäfte hilft. Dabei ist Watson deutlich schneller als diejenigen SW-Lösungen, die die meisten Unternehmen aktuell einsetzen. Insofern steigt die Effizienz durch den Einsatz von Watson. Bis dahin also alles in Ordnung. Nach Auffassung der Projektleiter, die die Migration von Watson in den Unternehmen vorangetrieben haben, gibt es jedoch sehr unbefriedigende Punkte.

Punkt 1:

IBM Watson ist nach Stand der Technik keine Markt-überlegene KI, obwohl die KI-Fähigkeiten vorhanden sein müssen um den hohen Preis zu rechtfertigen; der „IQ“ der Intelligenz steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, die Watson mit sich bringt – somit gelingt es den Unternehmen nicht, den ROI in den notwendigen Zeiträumen zu erreichen.

Punkt 2:

Der Setup-, Konfigurations- und Customizing-Aufwand von Watson ist enorm (und wenig intuitiv). Dies betrifft sehr viele Bereiche innerhalb der Watrson-Applikation. Datenschutzabteilungen, die Daten gemäß der neuen EU-Datenschutzrichtlinie pseudonymisieren und anonymisieren wollen ebenso wie Wissenschaftler, die beispielsweise komplexe Marketing-Zielgebietsanalysen simulieren und extrapolieren wollen. Die Zweifel bestehen also nicht nur bei den gigantischen Konzernen, sondern auch bei klassischen etablierten mittelständischen Unternehmen.

Punkt 3:

Die Aussage „erst macht IBM einen Mainframe-Leasingvertrag mit uns der in gewohnter Manier Millionen pro Jahr kostet, um uns dann ebenfalls Millionen für eine Lösung abzuknöpfen, die kaum mehr auf dem Mainframe läuft“ ist seitens der Entscheider ebenfalls häufig zu hören.

Fazit Frage 1) – Zweifel an Watsons Leistungsfähigkeit bei der Marketingautomation

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und IBM für gescheitert zu erklären, ist zu früh. Dennoch werden die Unternehmenskunden von IBM die Lösungen und Preise von IBM zukünftig intensiver prüfen. Das Vertrauen in die Marke IBM ist branchenübergreifend gesunken. Dies hat zur Folge, dass sich IBM durch seine Marke mittlerweile weniger vom Wettbewerb abhebt und somit wieder in den Preiskampf mit in den Branchen weniger bekannten Anbietern konkurrieren wird. Dies sind große Chancen für kleinere Unternehmen, die teilweise hervorragende Lösungen mit sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis haben, aber auch für die anderen datengetriebenen Konzerne im Silicon Valley. Amazon beispielsweise investiert aktuell ebenfalls in Branchen, die bisweilen IBM vorbehalten waren, – die aktuelle Situation zwischen IBM und deren Kunden wird Amazon sicher nicht schaden.
Mitarbeiter bei IBM selbst sprechen derzeit unter vorgehaltener Hand über das „zu progressive“ interne Marketing, dass Watson zu früh als KI angepriesen hätte.

Frage 2) – IBM’s Hoffungen mit Watson

IBM erhofft sich mit Watson gerade von den Top-Konzernen ein gutes Geschäft. Bei der Zusammenarbeit beispielsweise mit Versicherungen und Banken blickt IBM auf eine lange Historie zurück, viele Versicherer sind seit Jahrzehnten treue Nutzer der IBM-Großrechner. Wo liegen Ihrer Meinung nach aktuell die größten Schwierigkeiten bei Watson?

Antwort Geschäftsmodell IBM Watson:

Die meisten Versicherungskonzerne, die Mainframes einsetzen, haben langjährige Leasing- und Wartungsverträge mit IBM. Die Kommunikation in diesem Bereich wird sich nicht verändern.
Das Geschäftsmodell von IBM war unter anderen, die Unternehmen in die IBM-Cloud zu bringen. Das Verkaufsargument für den Wechsel in die Cloud war beispielsweise auch Watson. Die Konzerne, die ihre Applikationen sukzessive in die IBM-Cloud migrieren, benötigen somit Jahr für Jahr weniger Rechenpower und somit irgendwann keine leistungsstarken Mainframes mehr. Die Reduktion im Mainframe-Geschäft sollte den Mehreinnahmen im Cloudgeschäft gegenüber stehen, – so war voraussichtlich die Kalkulation von IBM. Wenn das Cloudgeschäft jedoch nicht anläuft, weil Watson als Argument nicht zieht, geht diese Kalkulation nicht mehr auf. Auch könnte sich Blockchain zu einer ernsten Gefahr für viele Geschäftsbereiche bei IBM entwickeln; denn was wäre, wenn die Versicherungsunternehmen durch Blockchain (z.B. in Bereichen des Smart Contracting) überhaupt kein Rechenzentrum und schon gar keinen Mainframe mehr benötigen?

 

Frage 3) – Wie wichtig war das Marketing bei Watson?

Antwort IBM Watson Marketing:

Laut Aussagen vieler IBM-Vertriebsmitarbeiter hatte das geniale Marketing den Verkauf von Watson unterstützt. Die Vertriebsmitarbeiter/innen haben Watson im guten Glauben an die eigenen Marketingaussagen verkauft. Der Vertrieb wurde von den Negativ-Nachrichten selbst überrascht und war am Ende somit mit dem Marketing und der ganzen Positionierung des Produkts unzufrieden. Aktuell laufen lt. Aussagen von IBM-Vertriebsmitarbeitern jedoch schon interne Maßnahmen, den IBM-Vertrieb  neu „einzustellen“. IBM muss nun Millionen in Marketing und Vertrieb investieren, um den Schaden wieder gut zu machen; die negativen Google-Suchmaschinenergebnisse und Kritiken in sozialen Netzwerken müssen durch positive Marketingbotschaften auf die hinteren Ränge verdrängt werden. Das Marketing ist daher aktuell gefordert und sehr wichtig.

 

Frage 4) – die größten Potentiale von IBM Watson

Wo sehen Sie die größten Potenziale von IBM-Watson für die Unternehmen? Ist es zu früh, sich als IBM-Unternehmenskunde von IBM-Watson abzuwenden?

Antwort Potential IBM-Watson

Die IBM-Watson-Unternehmenskunden hätten ihre eigene Loyalität zu IBM schon lange überdenken müssen, – nicht erst seit Watson. Watson ist lediglich ein gutes Beispiel dafür, das Loyalität im Wirtschaftsleben nicht angebracht ist. Viele IBM-Wettbewerber bieten schon seit vielen Jahren in zahlreichen Geschäftsfeldern vergleichbare Lösungen zu günstigeren Preisen an. Auch verliert das Verkaufsargument von IBM hinsichtlich der hohen Integrationstiefe und Verzahnung der IBM-Produkte untereinander im Zeitalter von webbasierten ortsunabhängigen Applikationen und Services an Bedeutung. Die meisten Unternehmen mit denen wir bei HighPots zusammenarbeiten nutzen zwischen 10% und 15% der IBM-Produktintegrationsmöglichkeiten. Die meisten gelebten Produktintegrationen bei den IBM-Unternehmenskunden hätten ohne den Zukauf teurer Schnittstellenmodule leicht selbst entwickelt werden können. In vielen Fällen sind tiefe starre Serviceverzahnungen sogar nachteilig.

 

Leiter Forschung für künstliche Intelligenz und maschinelles LernenAutor: Rüdiger Off

Position: Forschung & Entwicklung, Produktentwicklung

Profil: Rüdiger Off