Forschungsgelder und Fördergelder2020-01-18T18:58:54+01:00
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Deutsche Wissenschaftsförderung verhindert Forschung – Fördergelder und Forschungsgelder verschwendet

Fördergelder Unternehmen / Forschungsgelder Unternehmen und Universitäten

Die Vergabe von Drittmittel in Form von Fördergeldern ist ein Affront gegen die Wissenschaft. Keine Demokratie bei der Vergabe von Forschungsgeldern.
Wir haben erforscht, warum, wohin und zu wem die Drittmittel zur Wissenschaftsförderung fließen. Bevor wir weiter unten 5 konkrete Verbesserungsvorschläge machen, einige Informationen vorab.

Fördergelder beantragen

Wer vergibt die Fördergelder in Deutschland?

Öffentliche Drittmittel aus Steuergeldern

Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung & Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die EU vergeben ca. 80% aller finanziellen Wissenschaftsförderungen.
Allein die Hochschulen erhalten ca. 10 Milliarden Euro Fördergeldern. Durchschnittlich bekommt ein Professor (U) knapp EUR 300.000 pro Jahr und ein Professor (FH) ca. EUR 35.000,–.

Fördergelder Unternehmen

Drittmittel aus Stiftungen

Der größte Drittmittel-Förderer ist die Volkswagen-Stiftung. Danach kommt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).

Drittmittel von Unternehmen

Alle Unternehmen zusammen, insbesondere Konzerne, vergeben ca. EUR 1,5 Milliarden pro Jahr. Allerdings sollten diese Fördergelder kritisch betrachtet werden. Denn es sind häufig „Lobby-Fördergelder“; das bedeutet, dass das Ergebnis bereits vor der Forschungstätigkeit feststeht und das Geschäftsfeld des jeweiligen Unternehmens unterstützt.

Industrielle Forschung

Generelle Fehler der Wissenschaftspolitik

Zwei generelle Fehler sind auffällig. Zum einen sind die Forschungsfelder viel zu offen und somit zu unkonkret. Zum anderen fehlt es an der Erforschung von Methoden.

Nehmen wir als Beispiel das europäische Vorzeigeprojekt „Human Brain Project (HBP)“ und vergleichen es mit der US amerikanischen „Brain-Initiative“. Das „Human Brain Project“ der EU wird mit EUR 1,1 Milliarden gefördert. Das Projekt läuft seit 2014 und lieferte bis jetzt keine nennenswerten Ergebnisse. Bei der amerikanischen Initiative kamen viele tolle neue Erkenntnisse heraus. Zum Beispiel in der Optogenetik oder auch die Serial-Block-Face-Elektronenmikroskopie.

Die US Amerikaner erforschen Methoden, die in vielen Forschungsbereichen angewandt werden können. Die Europäer hingegen stochern im Heuhaufen und hoffen, intuitiv die Nadel zu finden.

Die beiden Nobelpreisträger Erwin Neher und Bert Sakmann sehen das übrigens ähnlich.

Industrielle Forschung

Probleme und konkrete Verbesserungsvorschläge

Als kleine Anekdote vorweg – HighPots hat um die Jahrestausendwende herum einen Forschungsantrag für die Verschlüsselung von Handy-Telefongesprächen auf GSM-Basis bei der DFG eingereicht. Nach einer Ablehnung hatten wir Widerspruch eingelegt. Dadurch erhielten wir Einblick in die Bewertung (die wir nicht nachvollziehen konnten). Interessant war, dass ein Professor für Soziologie und ein anderer Professor für Geschichte unseren Technologie-Forschungsantrag bewertet hatten.
Heute sind wir natürlich schlauer und wissen, welche Drittmittel-Hebel man wo, wann und bei wem bewegen muss. Doch ist fair den anderen gegenüber?

Problem 1: Junge Forscher bekommen kein Geld
Über 10% der Fördermittel bekommen Personen über 66 Jahre. Über 70% sind älter als 45 Jahre. Es braucht eben Zeit, um Netzwerke für Lobby-Arbeit zu knüpfen…
Einstein wäre verhungert, denn seine wichtigsten Forschungsergebnisse fanden statt, als er im Alter zwischen 20 und 30 Jahren war.

Lösungsvorschläge:

  • Mehr jungen Leuten Fördergelder geben
  • Schärfere Auflagen für Universitäten, so dass die Unis mehr junge Wissenschaftler einstellen müssen. Und insbesondere auch eine ordentliche Bezahlung. Es kann nicht sein, dass die jungen Forscher in Deutschland in prekären Wirtschaftsverhältnissen leben während Universitäten in anderen Ländern deutlich mehr an die Forscher bezahlen

Problem Nr. 2: in die richtigen Forschungsgebiete investieren
Bestimmte Forschungsgebiete und Fachbereiche bekommen seit Jahren hohe Fördergelder, obwohl die Produktivität ausbleibt und keine Erfolge erzielt werden (Erfolge können auch begründete Ergebnisse sein die darstellen, warum kein „Erfolg“ möglich ist).

Lösungsvorschläge:

  • Objektiven Erfolg messen
  • Fördergelder stärker in Zukunftsthemen investieren

Problem Nr. 3: Eitelkeit ist wichtiger als Seriosität
Wissenschaftler veröffentlichen Forschungsergebnisse zu schnell um im öffentlichen Rampenlicht zu stehen und um Reputation aufzubauen. Die Transparenz wird dabei absichtlich vermieden. Die Daten, Analysearten, Auswertungsmethoden, Versuchsaufbau bleiben undurchsichtig. Andere Forscher prüfen selten die Ergebnisse, weil die „Öffentlichkeits-Bombe“ bereits geplatzt ist und selbst eine Richtigstellung keine Lorbeeren mehr einbringt. Und wenn doch versucht wird, die postulierten Ergebnisse nachzuvollziehen, gelingt die Reproduktion der Ergebnisse nicht. Es werden zu wenig Fördergelder in die Überprüfung von Forschungsergebnisse investiert. In manchen Fachbereichen sind 3 von 4 Top-Veröffentlichungen nicht reproduzierbar.

Lösungsvorschläge:

  • Richtlinien für mehr Transparenz und Objektivität schaffen
  • Forschungsergebnisse müssen von anderen Forschern überprüft werden; hierfür müssen Drittmittel investiert werden
  • Weniger Manager-Charakter fordern, sondern mehr diejenigen Wissenschaftler, die durch belegbar seriös agieren

Problem 4: Verteilung der Fördergelder
Die Fördermittel werden nur an wenige (und oft immer dieselben) Wissenschaftler verteilt. Viele andere talentierte Wissenschaftler/innen bleiben auf der Strecke und gehen leer aus.

Lösungsvorschläge:

  • Definition maximalen Betrages, die eine einzelne Person bekommen kann
  • Sofort erkennbare ungenügende Forschungsgeld-Anträge anhand einer einfachen Prüfmethode ablehnen
  • Forschungs- und Fördergelder per Auslosung vergeben

Problem Nr. 5: Schleichende Produktverbesserungen werden mehr gefördert als radikale Ideen
95% aller Fördergelder für industrielle Forschungen (F&E) werden in Produktverbesserungen investiert. Also in Produkte, die bereits existieren und nicht wirklich neu sind. Grund ist die Angst, Steuergelder zu verschwenden, indem risikoreich investiert wird und am Ende nichts dabei herauskommt.

Lösungsvorschläge:

  • Der Gesellschaft verdeutlichen, dass die Forschungsagenda maßgeblich ist. Eine Garantie für Erfolg gibt es nicht
  • Die Jury, die die Vergabe der Forschungsgelder verantwortet, neu auszurichten
  • Mehr in die Wissenschaftler investieren und weniger in Projekte
Industrielle Forschungsförderung

Fazit

Die Wissenschaftspolitik in Deutschland, insbesondere die Evaluierung von Hochschulen, die finanzielle Forschungsförderung und die Technologie-Folgenabschätzung müssen korrigiert werden.

Bei der finanziellen Forschungsförderung wird eine Korrektur vermutlich nicht ausreichen. Die Zweit- und Drittmittelvergabe gehört komplett überarbeitet. Die alten Lobby-Seilschaften müssen aufgelöst werden. Dies ist zwingend erforderlich, damit die Forschung und Entwicklung in Deutschland nicht noch weiter abrutscht.

Die Wissenschaftspolitik gehört auch im Bereich der internationalen Kooperationen neu strukturiert. In der Raumfahrt, z.B. beim Bau der Ariane 6 Rakete, treten die System-Schwächen der Angewandten sowie der industriellen Forschung offen zu Tage. Von den Kompetenz-Streitigkeiten mal ganz abgesehen. Die Ariane 6 Rakete wird, wenn das Fördergeldverfahren der an der ESA beteiligten Länder nicht reformiert wird, zu teuer gegenüber US amerikanischen Privatunternehmen wie Space X.

Space X verlangt 15.000 US$ pro Kilogramm. Chinas neuer Quanten-Kommunikations-Satellit MICIUS wiegt beispielsweise 620Kg. Space X könnte also für 9,3 Millionen US$ einen Satelliten in die Umlaufbahn befördern. Diesem Preis kann die ESA, wenn es keine nennenswerten Änderungen im F&E-Bereich gibt, nichts entgegensetzen.

Vielleicht macht es der deutsche Unternehmer Daniel Metzler mit seinem Münchner Unternehmen „Isar Aerospace“ ja besser. Die Chancen stehen gut dafür.